Stephanie Pinkowsky

Stephanie Pinkowsky

Über die Autorin -

Ich erzähle euch meine Geschichte

Stephanie Pinkowsky; geb. am  03.01.1992 in Reinbek


Wann habe ich meine Liebe zum Schreiben entdeckt?

Bereits als kleines Mädchen habe ich meine Liebe zu Büchern und zum Schreiben entdeckt. Zunächst verfasste ich zahlreiche Kurzgeschichten, mit denen ich mehrere Schreibwettbewerbe gewinnen konnte, dann wurden allmählich Manuskripte daraus. Im März 2004 – im Alter von zwölf Jahren - veröffentlichte ich einen ersten Kurzroman. Schon damals war ich fest entschlossen, meine Leidenschaft zu meinem späteren Beruf zu machen und arbeitete zielstrebig darauf hin - trotz meines jungen Alters mit enormer Disziplin und Beharrlichkeit. Tatsächlich konnte ich damals einige Resonanzen in Form von Presseberichten und Interviews erzielen. Ich wusste genau, ich werde eines Tages als freie Autorin leben. Geschichten schreiben, eigene Welten erschaffen, Kreativität ausleben - das machte mich glücklich. 

In der Schule wurde meine Schreibleidenschaft jedoch nicht gefördert, sondern als etwas „Schädliches“ betrachtet, das mir ausgetrieben werden muss. Mit psychischer Gewalt versuchte man dort, einen anderen Menschen aus mir zu formen. Jemanden, der in die Schubladen der Gemeinschaft passte, keine Fragen stellte und nicht widersprach – und das konnte ich nicht.

Meine Laufbahn als Jungautorin - was geschah?

Als ich im Sommer 2004 an Magersucht erkrankte, erlebte ich einen traumatischen Klinikaufenthalt, dessen Nachwirkungen es mir lange Zeit unmöglich machten, meine Ziele weiter zu verfolgen. Heute denke ich, das Hungern war ein Ausdruck meiner kindlichen Hilflosigkeit, weil ich mich in ein schulisches Umfeld gezwungen fühlte, in das ich nicht passte und das mich nicht verstand.

Vor meiner Einweisung in die Klinik war ich ein Mädchen voller Träume und Pläne. Hinterher war ich ein schreckhafter Zombie voller Ängste und gebeutelt von Zwängen; und keinesfalls gesund. Die Ursachen meiner Essstörung und mögliche Lösungsansätze wurden während der Behandlung nicht besprochen. Es wurde – wieder einmal – nicht zugehört, sondern lediglich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, meinen Willen zu brechen.

Meine schulischen Leistungen stürzten unmittelbar nach dem Klinikaufenthalt in den Keller. Die ehemalige Einsergymnasiastin, die mal eine ernstzunehmende Autorin werden wollte, schaffte kaum einen Hauptschulabschluss.

Dennoch erholte ich mich langsam und für kurze Zeit war ich ein fast normaler Teenager. Mit fünfzehn verliebte ich mich zum ersten Mal – unglücklich, chancenlos, in meinen Augen sogar verboten. Ich habe es niemals jemandem erzählt. Ich war damals noch nicht stark genug, um zu akzeptieren – und erlitt einen Rückfall in die Essstörung. Allerdings erkannte ich diesmal von selbst, dass ich mein Leben im sprichwörtlichen Sinn gegen die Wand fahre, wenn ich nicht endlich etwas unternehme. So konnte es nicht weitergehen. Ich besiegte die Magersucht ohne therapeutische Hilfe, mit einer großen Portion Kampfgeist und der Unterstützung meiner Familie.

Wie bog ich meinen Lebenslauf wieder gerade?

Ich machte zunächst ein Jahrespraktikum (von der Schule hatte ich erst einmal die Nase voll), dann entschied ich mich jedoch aus freien Stücken, meine mittlere Reife nachzuholen. Ich kümmerte mich um einen Schulplatz und erreichte meinen Realschulabschluss als Jahrgangsbeste. Ich fühlte mich anerkannt, fand meinen ersten Freund und machte meinen Führerschein. Mein Leben begann sich zu ordnen. Doch so wirklich wusste ich immer noch nicht, wie ich meinen eigentlichen Weg wiederfinden soll. Vielleicht war ich rückblickend auch noch gar nicht bereit dazu. Ein wenig plan- und alternativlos bewarb ich mich auf eine kaufmännische Lehre. Hauptsache, ich habe überhaupt eine Lehrstelle, war wohl mein Gedanke. Ich absolvierte meine Ausbildung zur Bürokauffrau erfolgreich, in deren Rahmen ich auch zeitgleich mein (Fach-)Abitur nachholte. 

Kaum befreit, befand ich mich im nächsten Käfig ...

Ich arbeitete anschließend fast zwei Jahre in meinem Lehrberuf. Der Job erstickte mich regelrecht und machte mich zutiefst unglücklich. Ich fühlte mich mehr denn je in einem fremdbestimmten, falschen Leben gefangen, das ich niemals hatte führen wollen. Ich betrachtete dieses Dasein als Resultat (wenn nicht gar als Strafe) meiner früheren Essstörung, mit welcher ich mir in meinen Augen meinen Weg als Jungautorin „verbaut“ hatte. Ich war mir sicher, ich wäre längst eine etablierte Schriftstellerin gewesen, wäre mir das nicht passiert. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich leider noch nicht die Stärke, meine Zukunft aktiv in die Hand zu nehmen, statt die Vergangenheit zu betrauern. Das Hamsterrad drehte sich mit mir.

Innerlich todunglücklich versuchte ich, den Kummer über meine vertanen Chancen durch allerlei private Eskapaden zu betäuben. Attraktiv, schlank und zart, aber mit weiblichen Kurven stürzte ich mich ins Partyleben, in Affären - und in manch brenzlige Situation. Ich möchte diese Jahre nicht komplett verteufeln, schließlich war (bin) ich ja jung. Doch die innere Leere mit Leidenschaft zu füllen gelang mir immer weniger.

Ich aß mittlerweile wieder gerne. Um meine nun weibliche aber schlanke Figur dennoch zu halten, „entdeckte“ ich mit Anfang 20 die Wirkung von Fettbindern und Abführmitteln. Die Kreislaufzusammenbrüche auf der Firmentoilette kann ich kaum zählen.

Der Wendepunkt

Das Feuer, die Leidenschaft, mit der ich einmal für meinen Traum gekämpft hatte, war zu einer kleinen Flamme geworden, die darauf wartete, neu entfacht zu werden. Ungefähr zehn Jahre nach meinem ersten Versuch als Autorin begegnete ich jemanden, der mich wieder an meine verloren geglaubten Lebensziele erinnerte - indem dieser Jemand mir, ohne es zu wissen, auf sehr schmerzhafte Weise einen Spiegel vorhielt und dadurch meinen Ehrgeiz anspornte. Vielleicht kann ich mich eines Tages bedanken.

Nur wenig später kam mir die Romanidee zu „Seelensplitter – Zwischen Schuld und Begehren“. Der Anfang ist dezent inspiriert von einer wahren Begebenheit aus meinem eigenen Leben, die Kerngeschichte sowie alle vorkommenden Personen sind frei erfunden. Die beiden Protagonisten haben einiges von mir  – sie vereinen die widersprüchliche Kombination aus Perfektionismus (Helene) und Drama (Katja). Ich schrieb wie in einem Rausch, mein Herzblut floss wieder, ich war wieder lebendig. Das ist es, dachte ich mir. Seelensplitter ist die richtige Geschichte, um einen neuen Versuch zu wagen. Die Inspiration verlieh mir förmlich Flügel.  

Der Anstoß - War das Schicksal?

Dann kam eins zum anderen. Ich erhielt im Januar 2016 eine betriebsbedingte Kündigung. Ein Befreiungsschlag, denn selbst hätte ich mich zeitnah nicht getraut, die Sicherheit meines ungeliebten Jobs aufzugeben. "Seelensplitter" war kurz zuvor (in der ersten Fassung) erschienen. Statt mir einen neuen Bürojob zu suchen, setzte ich alle mir zur Verfügung stehenden Energie-Ressourcen ein, um mir eine Existenz als freiberufliche Autorin aufzubauen und mich und meine Werke ernsthaft auf dem Buchmarkt zu etablieren. Es war Zeit, aus meiner Lethargie zu erwachen.

Die wichtigste Erkenntnis

Und eines wurde mir klar: Wenn ich auch nur die geringste Chance haben will, in dieser Branche zu bestehen und nun endlich für das Leben zu kämpfen, das ich mir seit jeher wünschte, dann muss ich stabil und gesund sein – körperlich und seelisch.

Am Tag nach meiner Kündigung beendete ich konsequent alle Verhaltensweisen, die mir schadeten und Kraft raubten. Ich packte alle Tabletten in einen Müllbeutel und warf sie weg. Seit dem Moment, in dem ich mein eigentliches Ziel – das Leben als Autorin - wieder vor Augen hatte, habe ich niemals wieder eine Tablette angerührt. Von heute auf morgen. War das schwer? Nein, das war es nicht. Ich hatte eine Motivation, die das Verlangen danach komplett auslöschte. Stattdessen begann ich, aktiv Kraftsport zu treiben, mich gesund zu ernähren und wertschätzend mit mir selbst umzugehen. Für mein Ziel, für meinen Weg. Es gab keinen Grund mehr, vor der ernüchternden Realität zu flüchten oder sich zu betäuben. Wenn man es etwas überspitzt ausdrücken möchte, hat Seelensplitter mich gerettet. Ein weiterer Grund, warum ich diese Geschichte so sehr liebe.

Heute – 2018 – bin ich gesund und glücklich; beruflich wie privat.